Collagen, GedankenTexte

Ich respektiere euch, voller Verachtung

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Ich liebhasse euch, ihr virtuellen zwischenmenschlichen Verknüpfungen, die ihr meinem Leben die unangenehm wohlige bittersüße Würze verleiht. Ich respektiere euch voller Verachtung, dafür dass ihr mich in die Verzweiflung treibt, und mir die schönsten Momente des Alltags beschert. Jeden Tag aufs Neue möchte ich euch ausnahmslos alle aus meinem Leben verbannen, und denke gleichzeitig daran, noch weitere eurer Spezies in mein Leben zu lassen.

Auch wenn das alles charmant klingt, ist es in Wahrheit Stress, Stress den zu vermeiden es theoretisch einfach wäre. Dieses hin und hergerissen sein, fühlt sich manchmal unangenehm ungesund an. Ich möchte lieber nicht mehr darunter leiden an einem Tag von Instagram nicht beachtet zu werden, um am nächsten Tag zu 100 Dingen inspiriert zu werden, für deren Umsetzung ich niemals die Zeit haben werde. Für Menschen wie mich, die sich für fast alles auf der Welt interessieren, führt diese Inspirationsüberflutung nur zu Überforderung und Verwirrung … zu einem. Zum anderen war es früher schon so, als die nicht greifbaren Vernetzungen noch nicht die Weltherrschaft an sich gerissen hatten, und Menschen ohne Computer und räumliche Distanzen miteinander kommunizierten, dass das Beachtet werden ein wichtiges Kriterium war, um den Informationsaustausch überhaupt zu aktivieren. Und ich war auch nie die, die nach Anerkennung hechelte. Das war mir zu entwürdigend, dafür war mein Ego immer schon zu mächtig und meine Selbstachtung zu dominant.

Ich möchte nicht mehr liebhassen, nicht mehr respektvoll verachten. Ich möchte mich nicht zu 100 Dingen inspirieren lassen, sondern mich auf das wesentliche konzentrieren. Ich möchte Dinge tun, die mich menschlich und beruflich tatsächlich weiterbringen, und nicht meine Zeit verschwenden. In 2 Wochen fängt ein neuer Lebensabschnitt an, und damit die neue Ära ordentlich beginnen kann, muss erstmal ausgemistet werden …

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