Allgemein, GedankenTexte, Selbstliebe

Zufällige Wörter – Formalismus

Ich habe kürzlich beim Kollegen von Unmus einen Artikel gelesen, in dem er darüber schreibt, dass er Ideen eigentlich gar nicht so mag. Sie kommen einfach uneingeladen vorbei und machen nur Arbeit. Kurz darüber nachgedacht, musste ich ihm vollkommen Recht geben. Ich mag Ideen eigentlich auch nicht so. Aber sie kommen trotzdem, und das nicht nur einmal im Monat, nein sie klopfen täglich an meine Oberstübchentür. Die Folge dieser Erkenntnis: Life Goal Nummer 1: Mal soweit kommen, dass man alle Zeit der Welt hat Ideen umzusetzen, oder es sich irgendwann leisten können Mitarbeiter einzustellen die diese Ideen umsetzten – was aber das weniger gute Ziel wäre, denn nicht alle Ideen lassen sich von anderen umsetzen, meist muss man selbst ran.

Und stellt euch von, ich hatte eine Idee. Eine die sich nicht abschütteln ließ, eine die umgesetzt werden musste. Ich liebe ja das Schreiben – offensichtlich. Und ich liebe Wörter, weil man damit Texte anfertigen kann. Nun möchte ich diese netten kleinen Helfer ehren und mal über sie schreiben. Ich möchte über Wörter Philosophieren. Zufällige Wörter. Wörter die ich mit Augen zu und Finger drauf aus dem Duden Fremdwörterbuch (ich hatte kein anderes griffbereit) herauspicke. Das heutige Wort ist ein tolles Wort:

Formalismus

Zur Erklärung, Duden sagt Formalismus ist „Überbetonung der Form, des Formalen“ bzw. „Übertriebene Berücksichtigung der Äußerlichkeiten“.

Ich klammere mich mal an diese zeitgemäße Definition der übertriebenen Berücksichtigung der Äußerlichkeiten, denn stellt euch vor dieses Thema beschäftigt mich schon nahezu mein Leben lang. Ob es nun in der Kunst ist, in meiner Arbeit als Architektin oder persönlich. Formalismus liegt in der Natur des Menschen und wird einfach akzeptiert. Ich für meinen Teil bin und war nie Fan davon. Bin mehr von seinem Gegenteil überzeugt: „Form Follows Function“, womit der gute alte Horatio Greenough schon 1852 recht hatte. Ich habe schon immer Kunst gemacht die von ihrer Aussage profitiert. Ich habe Bilder immer zu einem Thema gemalt, nie einfach aus dem Gefühl heraus. Ich habe Gebäude entworfen, die in erster Linie für den Menschen funktionieren. Und das schönste, an der Verinnerlichung arbeite ich aktuell noch, meine äußere Hülle folgt den Funktionen des Apparates der mich am Leben erhält. DAS war übrigens auch die wichtigste Erkenntnis auf meiner Suche nach Selbstliebe (tut mir übrigens leid, dass ich keine weiteren Artikel darüber verfasst habe, aber es waren einfach sehr viele Informationen, die ich erstmal selbst verarbeiten musste). Kurze Erklärung zu dieser bahnbrechenden Erkenntnis – Meine liebsten Lebewesen auf der Welt, die Bäume, die verurteilt keiner. Kein Mensch geht durch den Wald, sieht sich einen Baum an und denkt: „Mensch, ist das ein häßlicher Baum. Viel zu dick und voll schief. Das sieht doch furchtbar aus.“ Gibt bestimmt auch solche Menschen auf der Welt, aber der Großteil von uns hat nicht solche Gedanken. Man lässt sie einfach so sein wie sie sind und denkt nicht weiter darüber nach. Wäre die Welt nicht ein viel besserer Ort, wenn wir das mit Menschen auch so handhaben würden? Wir sind doch auch alle genauso wie wir sind am schönsten. Wäre die Welt nicht viel schöner ohne Formalismus?

Ich für meinen Teil bleibe dabei, dass ich keine Formalistin bin und IMMER hinter der Fassade nach Erfüllung suche.

Das Wort ist aber schön. 

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