GedankenTexte, Selbstliebe

Zufällige Wörter – Introversion

Ich finde es auch sehr schade, dass hier aktuell so selten etwas geschieht, aber Kreativität braucht Zeit und Energie. Beides Dinge, die zu einem seltenen und wertvollen Gut geworden sind im letzten Monat. Doch Gedanken sind da und sie müssen aus dem Kopf. Sie müssen sich entfalten, oder verpuffen je nachdem welcher Art sie sind. Ich bin Meisterin der Verpackung, also verpacke ich meine aktuelle Situation in ein Text über Introversion, einem zufälligen Wort. Oder vielleicht doch nicht so zufällig?

Introversion

Zur Erklärung: „Introversion und Extraversion sind zwei Pole einer Persönlichkeitseigenschaft, die durch die Interaktion mit der Umwelt charakterisiert wird. Den Begriffen nach bezeichnet Introversion eine nach innen, Extraversion eine nach außen gewandte Haltung.“

Jeder von uns ist entweder oder. Ich bin entweder, und nicht stolz darauf. Eine meiner unliebsten Eigenschaften. Ich bin die, die verdammt gerne oder wäre, aber nicht so richtig daran glaubt es werden zu können. Ist man das einfach? Ist es angeboren? Kann man Extraversion lernen, wenn man ein Leben lang auf der Introversion-Seite des Lebens gewandelt ist? Ich fange ehrlich gesagt erst jetzt so richtig damit an daran zu arbeiten. Ich möchte bald oder werden. Und meine besagte aktuelle Situation trägt nicht richtig dazu bei, dieses Ziel zu erreichen. Seit ich nicht mehr meinen 9 to 5 Job ausübe, pflege ich den regelmäßigen Kontakt zu Menschen auch nicht mehr so sehr. Gut für meine Introversion, sehr schlecht für das Streben nach dem Gegenteil. Ich lebe schon sehr viele Jahre damit entweder und nicht oder zu sein, und ich habe mich im Prinzip auch daran gewöhnt, denn ich kenne das Leben nur aus dieser zurückhaltenden Perspektive. Mein gesamtes Handeln und Denken basiert auf dieser introvertierten Tatsache. Ein Umdenken würde alles verändern.

Ich tausche meine Introversion trotzdem gerne gegen eine gepflegte und bodenständige Extraversion, denn alles verändern würde alles einfacher werden lassen, bedeuten. Die Prämisse dafür wäre meiner Meinung nach gegeben, es fehlt nur noch dieser eine Rat, der aus dem Nichts bekommt, der sich dann direkt ins Persönlichkeitszentrum des Gehirns schießt, da auf den Tisch klopft und für eine Weile die Führung übernimmt.

Das Wort klingt viel stärker als seine Bedeutung es vorgibt.

Es ist die INTRO Version meiner Selbst, also nur „eine kurzgefasste thematisch bezogene Einleitung in den kompletten Inhalt“ meiner Persönlichkeit.  

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19 Gedanken zu “Zufällige Wörter – Introversion

  1. Bernhard Guiboud-Ribaud schreibt:

    Gorana, es ist leicht und doch sehr schwer. Du musst dich nur fallen lassen und darfst dich nicht mehr dagegen wehren, dann entwickelt sich diese Eigenschaft von selbst – alles Liebe Bernhard !!!

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  2. Nein, Extraversion kann man nicht lernen, weil man sich nicht antrainieren kann, Interaktionen nicht als erschöpfend zu empfinden, sondern als Energiespender. Man kann sich nur begrenzt antrainieren, sein reiches Innenleben nicht nur für sich selbst zu hegen, sondern es als bereichernd zu empfinden, jeden irrelevanten Gedanken zu äußern, oder Small Talk ebenso zu schätzen wie intime Gespräche. Aber man kann lernen, die Introversion gut genug mit der Umwelt in Einklang zu bringen, um sie nicht mehr als Stigma oder Einschränkung zu erleben. Und man kann sicherlich lernen, mehr aus sich herauszukommen und auf Menschen zuzugehen, aber das hat ja nur zum Teil etwas mit Introversion zu tun.

    Wenn du mit der Situation unglücklich bist, musst du nicht gleich dich selbst ändern (denn wen würde das schon glücklich machen?), nur dein Verhalten. Ich weiß, die Introversion macht Passivität leichter, aber sie ist weniger der Feind als die schnöde Faulheit. Das Alleinsein und Grübeln schätzen zu können ist doch etwas viel zu Wertvolles, um es für zwei zusätzliche Handvoll oberflächlicher Kontakte aufzugeben. Aber wenn du schon Kontakte hast, bietet doch gerade ein weniger strikter Zeitplan viele Möglichkeiten und erholsamen Freiraum.

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    • Ach Lena, ich danke dir für deinen Kommentar. Das war vermutlich genau der Rat, auf den ich gewartet habe. Er hat mir jedenfalls die Augen geöffnet, und jetzt wird mir erst klar, dass ich das wohl falsch angegangen bin. Du hast absolut recht. ❤

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      • Introversion wird ja leider immer noch meist missverstanden, mit Verschlossenheit und Schüchternheit gleichgesetzt und im Vergleich mit Extraversion als minderwertig angesehen. Ich habe selbst erst nach einiger Lektüre verstanden, was das ist, was mir das Leben und vor allem die Menschen so anstrengend macht. Als ich es endlich benennen und akzeptieren konnte, war plötzlich alles viel leichter. Wäre natürlich schön, wenn ich dir da auf dem Weg zur Selbstakzeptanz tatsächlich ein wenig weiterhelfen konnte. 🙂

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      • Ja das hast du. Sogar sehr. Falls du etwas an Lektüre empfehlen kannst, immer her damit. Aktuell lesen ich Still von Susan Cain und bin begeistert. Überhaupt hat mir diese Sicht auf die Sache komplett die Augen geöffnet, was gut und schlecht ist. Gut natürlich weil ich jetzt das Problem erkannt habe und nun daran arbeiten kann. Schlecht ist, dass jetzt komplettes Chaos im Kopf herrscht und meine Welt, so wie ich sie kannte Kopf steht … Ich weiß nicht leicht oder schwer es sein wird da wieder Ordnung zu schaffen.

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      • Ich habe damals einfach viel im Internet gelesen. Was und wo genau, kann ich jetzt leider nicht mehr sagen.

        Klar, das ist eine ganz ungewohnte Perspektive, da muss man sich erst einleben. Aber nach einiger Zeit ist es das Natürlichste der Welt!

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  3. Nein, Extraversion ist nichts, das man lernen kann.

    Aber Susan Cain ist da in der Tat ein ziemlich guter Einstieg, durch sie habe ich vor Jahren zum ersten mal den Begriff Introversion gehört.Seitem habe ich mich erecht intensiv damit auseinandergesetzt und Introversion ist etwas, das verdammt nochmal zelebriert werden sollte. 😉

    Ich bin mir relativ sicher, dass du auf deine Stille Art und Weise ziemlich großartig bist, du musst nur lernen, damit umzugehen und sie einzusetzen.^^ Mir wurde auch oft genug geraten, ich müsse mich so und so verhalten, um im Leben weiterzukommen. Nur sind die Tipps, die man bekommt, dieses „so und so“ oft in extroveertierten Denkmustern gehalten und nicht wirklich für uns anwendbar.

    Aber es gibt immer einen Alternativweg für Intros, auchdas habe ich gelernt.^^

    Literatur ist in der Hinsicht rar gesät, aber falls du es noch nicht gelesen hast, kann ich dir Silvia Löhkens „Leise Menschen – starke Wirkung“ empfehlen. Müsste ich es beschreiben, würde ich sagen, es ist weniger emotional geschrieben als Cains Werk und stützt sich mehr auf die wissenschaftliche Seite. Also genau das Richtige, um sich zu verdeutlich, dass Intro- und Extraversion zu einen gewissen Grad tatsächlich angeboren sind.

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